Suchen, abwarten, verpflichten: Kader-Optimierung im Winter

von Marcel Breuer14:07 Uhr | 14.01.2020
Die Verpflichtung von Erling Haaland ist der Transfercoup der laufenden Wechselperiode. Foto: Friso Gentsch/dpa
So gut wie bei Michael Zorc läuft es derzeit nicht überall. Dem Sportdirektor von Borussia Dortmund ist mit der Verpflichtung von Erling Haaland der Transfercoup der laufenden Wechselperiode gelungen.


Kaum anzunehmen, dass einer der Bundesliga-Konkurrenten das toppt. Mit den vergleichsweise bescheidenden 20 Millionen Euro, die der BVB an Red Bull Salzburg überweist, ist es Zorc gelungen, eines der begehrtesten Fußball-Talente Europas schon im Winter zu verpflichten.

Mit dem spielstarken und wuchtigen Stoßstürmer hat der Titel-Mitfavorit seine größte Baustelle geschlossen. «Das ist ein anderer Entwurf als die Offensivspieler, die wir sonst haben», sagte Zorc, der damit einen Fehler aus dem Sommer korrigierte, als man sich zu sehr auf die Qualitäten von Paco Alcácer und «falschen Neunern» verließ. Im dpa-Interview schloss Zorc weitere Aktivitäten nicht aus, doch der wichtigste Job ist erledigt. «Warum sollte ich jetzt sagen, dass wir nichts mehr machen. Und auf einmal ergibt sich eine Gelegenheit...»



Ähnlich hält es auch Hasan Salihamidzic. Den Wunsch nach Verstärkungen von Trainer Hansi Flick, der die «maue Personalsituation» kritisierte, kann der Bayern-Sportchef nachvollziehen, nicht aber, dass dieser damit an die Öffentlichkeit ging. Getan hat sich beim FC Bayern noch nichts Konkretes. Obwohl der Sportdirektor «die Optionen, die in dieser Transferperiode schwierig zu finden sind», prüft. Sein Problem: «Unsere Mannschaft zu verstärken, ist schwer. Die Topspieler werden im Winter von den Clubs nicht freigegeben.» Aus Verletzungsgründen herrscht vor allem in der Abwehr und auf den offensiven Außenbahnen Bedarf. Rechtsverteidiger Nelson Semedo vom FC Barcelona ist ein Kandidat, erhält aber wohl keine Freigabe. Jerome Boateng an den interessierten AC Mailand abzugeben, kann sich der FC Bayern eigentlich nicht leisten.


Den Markt beobachten, Geduld haben und im richtigen Moment zuschlagen - so lautet das Motto der Manager und Sportdirektoren. Transfer-Treffer à la Haaland sind im Winter selten. Aber es kann gelingen. Der Ex-Hoffenheimer Kevin Vogt ist womöglich ein gutes Beispiel. Mit Coach Alfred Schreuder lag er über Kreuz, rutschte in ein Formtief, genau wie Werder Bremen. Der auf Platz 17 abgestürzte Nordclub suchte dringend eine Defensiv-Verstärkung und setzt nun auf Vogt.


Da Niclas Füllkrug auch in der Rückrunde ausfällt, sucht Werder noch einen Stürmer. Ohnehin hat die Angst vor dem Abstieg die Bremer zum Umdenken bei den Transfers veranlasst. «Wir gehen konstant Risiken ein. Aber in solchen Situationen müssen wir bereit sein, ein Stück weiterzudenken als wir das ursprünglich geplant haben», sagte Werder-Chef Marco Bode.

Neben Vogt ließ Hoffenheim Domen Gril und Lukas Rupp ziehen, bekam in Munas Dabbur, den zurückgekehrten Leihspielern Bruno Nazario und Felipe Pires und dem aus Hannover verpflichteten Torhüter Michael Esser vier Neue. Soviel Bewegung im Kader im Winter ist selten.

Insgesamt standen bis Dienstag bei den 18 Clubs nur 17 Zugänge fest, 26 Spieler wurden abgegeben. Allerdings ist das Transferfenster noch bis zum 31. Januar geöffnet. Bedarf gibt es noch. Köln hat bereits Elvis Rexhbecaj (Wolfsburg) und Mark Uth (Schalke) ausgeliehen und verhandelt mit Lokomotive Moskau über Benedikt Höwedes. Sportchef Horst Heldt will den Weltmeister von 2014 gern mit Kaufoption ausleihen. Fortuna Düsseldorf lieh sich in Steven Skrzybski einen Stürmer, der auf Schalke kaum Chancen bekam. Im Gegenzug kam der in Augsburg unzufriedene Michael Gregoritsch nach Schalke. Abwehrtalent Jean-Clair Todibo (Barcelona) stand dort kurz vor der Unterschrift.

Spannend ist die Situation auch bei Hertha BSC, zumal nach dem 224-Millionen-Euro-Deal mit Lars Windhorst Geld da ist. Der neue Trainer Jürgen Klinsmann hat seine Vorstellungen, betont aber: «Wir würden nur Spieler holen, die uns direkt weiterhelfen können. Wenn ein Neuzugang kommen sollte, dann nur als klare Verstärkung.» Neu ist bislang nur Santiago Ascacibar (VfB Stuttgart), vier Spieler wurden abgegeben.

(dpa)

Ich glaube, sein Problem liegt zwischen den Ohren.

— Werner Hansch über Uwe Leifeld, nachdem dieser mehrere hochkarätige Chancen vergeben hatte