Edinson Cavani - der Krieger aus Salto

von Günther Jakobsen14:44 Uhr | 30.12.2012

Aus Salto, mit etwa 104.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Uruguays, kam schon einmal ein Fußballer, dessen Können weltweit höchste Anerkennung genoss: Jose Leandro Andrade, der als Topstar seiner Mannschaft Uruguay 1930 zum ersten Weltmeistertitel der Geschichte führte. Überschläge der Freude, die einem aktuell sehr begehrten, aus Salto stammenden Kicker gelten, macht man derzeit beim SSC Neapel.

„Cavani ist ein Krieger, der das Beste aus dem Neapel-Geist und unseren Fans verkörpert. Aus diesem Grund schlug ich eine 55-Millionen-Euro-Offerte für ihn aus“, verkündete Aurelio De Laurentiis unlängst. Napolis Präsident wirkte auch sehr entschlossen, als sich die Chance bot, den aufstrebenden Goalgetter zu verpflichten. In der Saison 2010/11 hatte man Edinson Cavani lediglich von US Palermo ausgeliehen. Für 16 Millionen Euro wechselte der Torjäger anschließend dann komplett zum SSC, ausgestattet mit einem bis Sommer 2017 gültigen Vertrag. Ob diese Laufzeit tatsächlich eingehalten wird, dürfte, sofern die Zahlen stimmen, abzuwarten sein. Denn das von De Laurentiis abgelehnte Angebot liegt nur knapp unter der 60-Millionen-Marke, für die der 44-malige Nationalspieler die Freigabe aus dem Vertrag erhält.

Fakt ist, dass Cavani mit dem Wechsel nach Neapel eine markante sportliche Aufwertung erfuhr. Bei US Palermo, seiner vorigen Serie-A-Station, fand der talentierte Stürmer, der gleich in seinem ersten Punktspiel einen Treffer erzielte, sich trotz seiner Jugend schnell zurecht. Fünf Treffern in seiner ersten vollen Saison 2007/08 folgten dann gute Quoten in den Spielzeiten 2008/09 (14) und 2009/10 (13). Das höhere spielerische Niveau Napolis, wo insbesondere mit dem Slowaken Marek Hamsik ein starker Vorbereiter mitwirkt, half, Cavanis Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Der Rechtsfuß kann, wenn es Not tut, die Kugel auch mit dem linken Fuß versenken; besonders ausgeprägt ist jedoch sein Kopfballspiel. Nervenstärke beim Elfmeter und das Näschen für Abstauber sind weitere Positiv-Merkmale des 25-Jährigen, von dessen Toren der SSC Neapel mittlerweile tatsächlich ein Stück weit abhängig scheint. In der laufenden Meisterschaftsserie hat Cavani 13 Mal getroffen, wettbewerbsübergreifend sind es 22 Treffer. In den vergangenen beiden Saisons (2011/12 - 23 Tore/2010/11 - 26) war es im wesentlichen die Abschlussqualität des Mannes aus Salto, die Napoli zur festen Größe in der Spitzengruppe der Serie A werden ließ.

Auch beim ersten Titelgewinn des SSC Neapel nach 22 Jahren, als man im Mai 2012 durch einen 2:0-Endspielerfolg über Juventus Pokalsieger wurde, war Cavanis Führungstreffer richtungsweisend. An Ehrgeiz mangelt es dem Torjäger nicht: „Ich arbeite täglich daran, ihr Level zu erreichen“, spricht er von Messi und Ronaldo als seinen Vorbildern. Käme Cavani auf ein solches Niveau, hätte Salto erneut einen Weltklassekicker ausgeworfen.

André Schulin, Dezember 2012



At the end of the day, the cleverness is the winner.

— Uli Hoeneß nach dem verlorenen CL-Finale gegen Inter.