Mein Name ist Hoeneß…

von Günther Jakobsen16:00 Uhr | 29.11.2002

Mit dieser Gesprächseröffnung könnten zwei Bundesligamanager die Missionen im Auftrag ihrer Arbeitgeber einleiten: Die Brüder Ulrich (FC Bayern) und Dieter (Hertha BSC) Hoeneß. Beide haben die Lizenz zum Stürmen - früher in kurzen Hosen auf dem Platz, jetzt in geschäftlichen Angelegenheiten als Vertreter ihrer Klubs. Seit Dieter Hoeneß 1990 seinem ein Jahr älteren Bruder in die Managerebene folgte, schütteln und rühren beide die Bundesliga vom Schreibtisch aus durcheinander.

Nobody does it better
Als jüngster Bundesligamanager betrat der 27-jährige Uli Hoeneß 1979 im Anschluss an seine äußerst erfolgreiche Aktivenlaufbahn die administrative Ebene des FC Bayern und setzte hier neue Maßstäbe, quasi ein Goldfinger seines Fachs. Er trat die Nachfolge des zuvor schon umtriebig-innovativen Beckenbauer-Managers Robert Schwan an und führte dessen Werk mit neuen Mitteln fort. Frühzeitig setzte Hoeneß auf ein intensives Werben um Vereinsmitglieder, forcierte den Merchandising-Bereich und platzierte den Klub ständig in den Medien - allesamt Maßnahmen, die griffen. Neben der erfolgreichen Mehrung des FC-Bayern-Kapitals, der den Münchner Klub zum Krösus auf nationaler Ebene beförderte, profilierte sich Uli Hoeneß als Vor- und Querdenker zu allen fußballrelevanten Themen - was nicht immer den ungeteilten Beifall der Bundesligakonkurrenz fand. Die zahlreichen Konflikte des streitbaren Bayernmanagers, oft begründet durch die allgegenwärtige Abwerbungsbedrohung und -politik der Münchner, taten dem Renommee des Klubs jedoch keinen Abbruch.

Agentenstreit
Im Dauerauftrag seiner Majestät, des Kaisers - mit der Vorgabe, soviel Mammon und Titel wie nur irgend möglich an die Säbener Straße zu holen - erwies sich Uli Hoeneß als die Idealbesetzung. Schließlich wartete der gebürtige Ulmer mit der richtigen Einstellung auf: „Für mich ist das kein Job, für mich ist das Leidenschaft“. Dass „Agent“ Hoeneß mit seinem langjährig intensivstem Gegenspieler Willi Lemke (Ex-Doppelagent für den KGB und den Hamburger Verfassungsschutz) aneinander geraten musste, war unvermeidlich. Die Liebesgrüße aus München begleiteten den Ex-Werder-Manager auch nach dessen Ausstieg aus dem Fußballgeschäft.

Stirb an einem anderen Tag
War es ein Feuerball oder nur der harte Schädel eines Gegenspielers, der Dieter Hoeneß im Pokalendspiel 1982 gegen Nürnberg zu einer stark blutenden Kopfwunde verhalf? - Egal. Aufgeben kam nicht in Frage. „Stirb an einem anderen Tag“, dachte sich der Bayern-Stürmer, ließ sein lädiertes Haupt notdürftig umwickeln und setzte vor 61.000 aufstöhnenden Besuchern im Frankfurter Waldstadion und Millionen am Bildschirm seinen turbanumwickelten Schädel weiterhin todesverachtend als Waffe im Kampf um den Pokalerfolg ein - und markierte in der 89. Spielminute den 4:2-Endstand zugunsten der Bayern - selbstverständlich per Kopfball.

Noch kein Goldfinger
Mit der gleichen Intention wie als Fußballprofi kniete sich Dieter Hoeneß nach der Spielerkarriere auch in die Managertätigkeit. Zunächst heuerte er beim VfB Stuttgart an (1990 bis 1995), wo er gemeinsam mit dem damaligen Trainer Jürgen Röber entlassen wurde, da die sportlichen Erwartungen nicht erfüllt wurden. Seit 1997 leitet er die Geschicke bei Hertha BSC - mit einer vorzeigenswerten wirtschaftlichen Bilanz. Den ehemaligen Weggefährten aus Stuttgarter Zeiten, Jürgen Röber, mit dem er zunächst auch bei der Hertha wieder ein Tandem bildete, konnte Hoeneß in der vergangenen Saison allerdings auch nicht halten - wieder einmal entschied ein unerfüllter sportlicher Anspruch über ein Trainerengagement. Und das ist es, was Dieter Hoeneß bei allen Fortschritten in Berlin noch fehlt: Ein Titelgewinn.

Lizenz zum Siegen
Die Welt ist nicht (groß) genug - die Bundesliga-Szenerie schon gar nicht - als dass die Spezialagenten im Interesse ihrer Arbeitgeber nicht auch gegeneinander antreten müssten. Was sich allerdings bislang in aller Freundschaft abspielte. „Das sollen die Brüder regeln“, erkannte „Kaiser“ Franz Beckenbauer die Möglichkeiten eines unkomplizierten Transfers, als 1999 der Wechsel des Bayern-Stürmers Ali Daei zur Hertha anstand. Lediglich der Kampf um Sebastian Deisler strapazierte die Familienbande etwas heftiger (1999, als er von Gladbach statt zum FCB nach Hertha wechselte, und 2001, als Bayern ihn aus Berlin weglotste) - ohne jedoch ernsthafte Verstimmungen heraufzubeschwören. Das wird auch nach dem Gastspiel der Berliner im Münchner Olympiastadion so bleiben. „Zwischen uns ist keine Rivalität“, meinte Dieter Hoeneß noch vor einem Jahr. Dazu sollte es aber kommen. Denn die Lizenz zum Meister-Werden wird nur einmal pro Saison vergeben.

André Schulin



Wenn ich mir den Wayne Rooney so ansehe, würde ich mir an Paul Gascoignes Stelle noch mal meine Frauenbekanntschaften vor 19 Jahren anschauen.

— Hans Meyer