Hany Mukhtar in der MLS – der vergessene Sohn trumpft auf

von david.seddig18:09 Uhr | 28.09.2022
Foto: Brett Carlsen/Getty Images

23 Tore in 31 Spielen und sieben Vorlagen, dazu insgesamt 48 Spiele für die U-Mannschaften Deutschlands. Hany Mukhtar spielt eine schlicht und einfach überragende Saison und trotzdem scheint man ihn in Deutschland schon leicht vergessen zu haben. Offensive Kreativität gepaart mit einem Killerinstinkt vorm Tor. Was spricht eigentlich gegen Hany Mukhtar in entweder einer besseren Liga oder vielleicht sogar in der Nationalmannschaft?

Favorit auf den MVP-Titel der MLS

Was Hany Mukhtar in dieser Saison mit der amerikanischen Profiliga anstellt, ist einfach ein anderes Level, wie es zuletzt Zlatan Ibrahimović gezeigt hat. Ein Spieler, der offensichtlich zu gut für den amerikanischen „Soccer“ ist. Doch das ist kein Zufall. In der vergangenen Saison spielte Mukhtar bereits so stark. Dort hießen es am Ende 16 Tore und zehn Vorlagen in 31 Spielen. Für den ehemaligen Herthaner bereits ein Zeichen, dass er in der MLS gut aufgehoben ist. Bei Nashville kann der 27-Jährige sich frei entfalten. Wo er in der letzten Saison noch oft im offensiven Mittelfeld gespielt hat, ist es jetzt eher eine hängende Spitze. Der Coach des Tabellenvierten der Western Conference, Gary Smith, lobte ihn bereits in den höchsten Tönen. Es sei kein Spieler in der MLS so wertvoll für sein Team wie Mukhtar.

Im Interview mit dem „Kicker“ sprach Mukhtar bereits über die verschiedensten Statistiken, die ihn auszeichnen. So ist der Offensivmann an insgesamt 60 Prozent aller Tore von Nashville direkt beteiligt. „Das ist ein super Gefühl, so wichtig für seine Truppe zu sein“, so der in Berlin geborene Star. Dazu kommen auch die meisten Torschüsse in der Liga. Die hängende Spitze ist genau das, was Mukhtar gebraucht hat, um seine Fähigkeiten auf das nächste Level zu hieven. „Damals bei Bröndby gab es einige Angebote, aber dass mich jemand als Spielmacher verpflichtet, war nicht das, was ich mir vorgestellt habe.“, so der 1,73 Meter große Spieler. Kein Wunder, dass Mukhtar nun beste Chancen hat, den Titel des MVP in der MLS zu gewinnen.

Mukhtar mit Chance auf WM-Ticket?

Vom reinen Scoring-Output ist Mukhtar der Aufgabe Weltmeisterschaft bei Weitem gewachsen. Doch ist der Schritt aus der MLS vielleicht ein zu großer? Mukhtar träumt von einer Nominierung. Die U-19 der Nationalelf konnte bereits mit Mukhtar einen großen Titel gewinnen. Gegen Portugal war es der damalige Herthaner, der das entscheidende Tor im Finale erzielte. Teamkollegen, wie Joshua Kimmich oder Julian Brandt, legten später Weltkarrieren hin. Andere Spieler, wie Fabian Holthaus oder Oliver Schnitzler, versanken danach in den unteren Ligen der Republik. Holthaus bei Oberhausen und Schnitzler beim SV Rahrbachtal in der Kreisliga A. Mukhtar wählte hier den Mittelweg und landete nach der Hertha bei den beiden Talentschmieden von Salzburg und Benfica, bevor es ihn nach Bröndby und schließlich in die MLS zog.

Auf die Frage, ob der Schritt nach Europa noch eine Option sei, antwortete er: „Das würde ich nicht ausschließen. Ich bin 27, im besten Fußballalter und habe ausreichend Erfahrungen gesammelt. Aber es muss der passende Verein sein und der richtige Schritt.“ In Europa hätte er noch Chancen sich zu beweisen und weiter seine Chance auf einen Platz in der Nationalmannschaft zu wahren. In Amerika ist er ein Star. Doch kann er einem verlockenden Angebot aus Deutschland widerstehen? „Hertha ist eine Herzensangelegenheit. Hertha ist mein Verein.“ Abgeneigt scheint er nicht zu sein.

Um die Absurdität von Mukhtars Leistungen noch etwas zu verdeutlichen, ein paar Statistiken: 3,75 Schüsse durchschnittlich pro Spiel. Top 11 % in der Liga, 4,91 schusserzeugende Aktionen pro 90 Minuten. Top 3 % in der MLS. Was nicht bedeutet, dass er sich nicht auch ins Passspiel miteinbindet. 9,85 erhaltene progressive Pässe pro 90 Minuten, was in den Top 3 % in der Liga ist. Kurzum: Sehr starke Statistiken für ein absolutes Multi-Tool in der Offensive. In dieser Saison spielte er bereits als hängende Spitze, im offensiven Mittelfeld oder auf dem linken Flügel. Letzte Saison auch mal im zentralen Mittelfeld in einem 3-5-2. Die Nummer Zehn von Nashville trumpft in der Liga auf. Kann Hany Mukhtar dann auch in der Nationalmannschaft so weiter machen? Zu wünschen wäre es ihm.




Das Schönste an Stuttgart ist die Autobahn nach München.

— Thomas Strunz