Vor 50 Jahren: Die Ibrox-Katastrophe

von Jean-Pascal Ostermeier09:46 Uhr | 02.01.2021
Heysel-Katastrophe: 39 Menschen verloren ihr Leben
Die Katastrophen tragen Namen: Sie heißen Heysel und Hillsborough und haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Doch schon Jahre zuvor, vor mittlerweile einem halben Jahrhundert, erschütterte ein Unglück in Glasgow den europäischen Fußball: Bei der Ibrox-Katastrophe am 2. Januar 1971 verloren 66 Menschen ihr Leben, mehr als 200 wurden verletzt.

Es war das Spiel der Spiele in Schottland, das Old Firm, das Derby zwischen den Glasgow Rangers und Celtic Glasgow, das traditionell zum Jahresbeginn angesetzt war. 80.000 Zuschauer und mehr waren in den Ibrox Park gepilgert, Tausende Fans der Rangers verließen das Stadion allerdings schon vor dem Schlusspfiff. Ihr Team lag 0:1 zurück, an die Wende glaubte kaum noch jemand.



Als Colin Stein in der Nachspielzeit zum Ausgleich traf, passierte das Unglück: "Irgendjemand fiel, ein anderer fiel auf ihn, und so setzte es sich fort", berichtete ein Polizist später. Panik brach aus, "es war, als ob ein Kartenhaus zusammengefallen wäre." Der Treppenaufgang mit der Nummer 13 war zu schmal für die Masse, eine Absperrung knickte weg.

Es war nicht die erste Katastrophe im Stadion der Rangers. Bereits am 5. April 1902 waren beim Länderspiel zwischen Schottland und England beim Einsturz einer Holztribüne 25 Menschen gestorben. Wirkungsvolle Konsequenzen gab es aber erst nach dem Unglück vor 50 Jahren: Der damalige Rangers-Manager Willie Waddell ließ sich vom Westfalenstadion in Dortmund inspirieren, der Ibrox Park wurde bis zum Beginn der 80er Jahre in ein reines Sitzplatzstadion umgebaut.


In Europa sollten dennoch weitere Stadion-Katastrophen folgen. Am 25. Mai 1985 im Heysel-Stadion in Brüssel stürzte nach einer Massenpanik eine Wand ein, 39 Menschen wurden getötet. Vier Jahre später am 15. April 1989 verloren 96 Menschen im Hillsborough-Stadion von Sheffield ihr Leben.

(sid)

Wir müssen einen Torwart verpflichten, weil mit dem jetzigen nichts zu gewinnen ist.

— Oliver Kahn