Nachdem sich am Vortag Borussia Dortmund bereits fürs Pokalfinale in Berlin qualifiziert hatte, zog der FC Bayern vor eigenem Publikum gegen den Zweitligisten Kaiserslautern erwartungsgemäß deutlich nach. Einmal mehr ein (Bei-) Spiel, das der aktuellen DFB-Entscheidung zum Pokal-Modus widersprach.
Das Zufallprinzip der Auslosung soll weiterhin den Spielplan des DFB-Pokals bestimmen, entschied aktuell die Spitze des weltweit größten Fußballverbands, nachdem vielfach die Forderung nach einer Änderung des Modus gefordert worden war. Somit werden weiterhin klassenniedrigere Mannschaften, wie in diesem Falle der 1. FC Kaiserslautern, kein grundsätzliches Heimrecht gegenüber einem klassenhöheren Klub erhalten. Vorhersehbare Abläufe wie zwischen dem FCB und Lautern werden also weiterhin zur Tagesordnung des Wettbewerbs gehören. Ein eindeutiger DFB-Kniefall vor den gehätschelten Spitzenklubs. Der "Würze" des Pokals dürfte diese mäßig begründete Entscheidung absolut abträglich sein.
24 Minuten hielt der krasse Außenseiter aus der Pfalz das 0:0, überstand einen abgefälschten Müller-Kopfball an die Latte (9.), verpasste aber auch selbst nur knapp die Führung, weil Zoller etwas zu spät kam (13.). Etwas lustlos hatte der große Favorit begonnen und da weitergemacht, wo er zuletzt ruhmlos aufgehört hatte. Dann aber hatte Schweinsteiger nach einer Ecke von Robben genug Platz und köpfte zum 1:0 für die wenig spritzigen Hausherren ein (24.). Mit dem 2:0, das Kroos, ebenfalls nach Zuspiel von Robben, platziert ins rechte Toreck vollendete (32.), war die Messe im Prinzip bereits gelesen. Der FCK war vorne einfach zu harmlos, brachte den Favoriten hinten kaum ins Schwitzen.
Nach der bereits recht lahmen ersten Halbzeit waren die Ansprüche für den zweiten Durchgang bereits besonders tief gelegt. Eine Art Trainingsspiel wurde nach dem Wechsel dann für ein Millionenpublikum an den TV-Apparaten präsentiert und nur mühselig als Event verkauft. Das 3:0 ging erneut vom recht rührigen Robben aus, den Löwe leicht im 16er touchierte, was den wenig standhaften Holländer in die Waagerechte katapultierte. Müller verwandelte sicher vom Punkt zum 3:0 (50.). Das schnelle 4:0 vergab der bestens bediente Ribery nur vier Minuten später. Etwas zu locker ging der FCB nach genau einer Stunde in der Innenverteidigung zu Werke. Dicks Flanke lenkte Zoller ins lange Eck, Ersatztormann Reader hechtete vergeblich. Viel Tempo wurde dennoch weiterhin nicht von den Kontrahenten in die Waagschale geworfen. Mandzukic markierte in dem immer ruhigeren Kick nach 78 Minuten das 4:1, ehe Götze das Endergebnis von 5:1 in der Nachspielzeit nach einer Hackentrickvorlage von Ribery herstellte. Somit erhält das Publikum immerhin eine weitere Ausgabe des Neo-Klassiker Bayern-Dortmund. Dem zweiten Halbfinalspiel fehlte es allerdings gänzlich an erkennbarer Brisanz. Schade, auch wenn die Chancen für den FCK am "Betze" nicht sonderlich größer gewesen wären, der Stimmung und dem Ablauf auf dem Feld aber hätte die Umkehrung des Heimrechts zumindest ein pokalwürdigen Charakter verliehen.
Soll ich etwa ein Lagerfeuer im Wohnzimmer machen?
— Anthony Yeboah auf die Feststellung des Kickers, er wohne "wie ein deutscher Musterbürger"