Tahiti traf bei seiner ersten größeren Turnierteilnahme gleich ins gegnerische Tor - ein Erfolg, den die Amateure realistischerweise als mögliches Ziel anvisiert hatten. Nigerias Sieg war nicht gefährdet.
Nigerias 1:0-Führungstreffer entbehrte nicht eines gewissen Slapstick-Charakters. Die Afrikaner hatten von rechts in Tahitis Sechzehner geflankt; ein Abwehrspieler des Underdogs klärte zunächst per Kopf. Der Ball prallte aber genau in den Lauf von Schiedsrichter Joel Aguilar, der unfreiwillig als Vorlagengeber für Nigerias Elderson Echiejile fungierte. Der Abwehrspieler hielt aus etwa 30 Metern einfach drauf, das Leder wurde zweimal abgefälscht und Tahitis Schlussmann Samin auf dem falschen Fuß erwischt (5.). Die Ozeanier kamen fast umgehend durch Vahirua zu ihrem ersten Torabschluss - Enyeama lenkte den Schuss über den Querbalken. Spielerisch leicht setzte jedoch Nigeria den nächsten Wirkungstreffer, als Oduamadi auf 2:0 erhöhte (10.). Ein Patzer Samins ermöglichte es dem für den italienischen Zweitligisten AS Varese spielenden Stürmer in der 26. Minute, per Abstauber das 3:0 zu markieren. Weitere Treffer Nigerias vor der Pause waren möglich, aber Samin machte seinen Schnitzer wett, als Kontervorstöße von Ujah (30.) und Mba (39.) bei ihm endeten. Die Passivität der Afrikaner nach dem dritten Treffer erlaubte Tahiti einige offensive Ansätze; die beste Chance vergab Chong-Hue (43., Kopfball links vorbei).
Frenetischer Jubel brandete im Lager des krassen Außenseiters in der 54. Minute auf: Nach einem Eckstoß Vahiruas köpfte Tehau am langen Pfosten aus spitzem Winkel zum 1:3 ein. Das Hochgefühl des Torschützen wurde aber eine Viertelstunde später etwas eingetrübt. Nigeria reagierte auf den Gegentreffer mit einer Tempoverschärfung, die in der 69. Minute in das 4:1 mündete - Tehau hatte dabei unglücklich partizipiert, indem er einen Querpass Oduamadis ins eigene Tor lenkte. Tahiti versuchte tapfer mitzuhalten, musste jedoch dem Qualitätsunterschied Tribut zollen. Die Nigerianer besaßen ausreichend Potenzial, das Resultat durch Oduamadi (77.) und Echiejile (80.) auf 6:1 aufzustocken. „Ich bin stolz auf die Leistung meiner Spieler. Während der Nationalhymne hatte ich Tränen in den Augen. Normalerweise schauen wir bei den großen Wettbewerben nur am Fernseher zu, aber heute haben wir aktiv mitgemischt“, drückten die Worte von Tahitis Coach Eddy Etaeta aus, dass für die Ozeanier das Erreichen des Turniers schon der Hauptgewinn war. Und dann noch ein Tor zu erzielen ...
André Schulin
Er befindet sich in einer Einschleimphase bei den Kölner Fans.
— Rudi Völler, Sportdirektor Bayer 04 Leverkusen, über Kölns Trainer Steffen Baumgart.